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Bergamotte

Bergamotte, Pflanzenwissen

BERGAMOTTE

MON COURAGE Pflanzenwissen

Ein Duft der an einen taufrischen, sonnigen Morgen erinnert: Bergamotteöl wirkt belebend, entspannend und stimmungsaufhellend und gilt als Geheimtipp für die dunkle Jahreszeit.Trotzdem ist die Frucht bei uns weitgehend unbekannt und selten in den Supermarktregalen zu finden.

Warum das so ist und was die Bergamotte so besonders macht, erfährst du in diesem Artikel.

 

#1 Was ist eine Bergamotte?

Die Bergamotte bezeichnet eine Gruppe der Zitruspflanzen. Als Hybride entstehen sie entweder aus einer Kreuzung zwischen Süßer Limette und Bitterorange oder zwischen Bitterorange und Zitronatzitrone.

Verwirrenderweise gibt es noch eine ältere Gruppe von Birnen, die ebenfalls als Bergamotte bezeichnet werden. Die Forschung vermutet, dass die Zitrusfrüchte aufgrund der ähnliche Form nach diesen Birnen benannt wurden.

Der ursprüngliche Name meint besagte Birnensorte und soll auf das osmanisch-türkische “beg armudi” zurückgehen. Das bedeutet “Herren-” oder “Prinzenbirne”.

Erst ab dem späten 17. Jahrhundert bezeichnet das als bergamotta ins Italienische übernommene Wort die heutige Zitrusfrucht.

Bergamottenbaum

#2 Bergamotte - die Herkunft bleibt ein Geheimnis

Um die Herkunft der Bergamotte ranken sich viele Geheimnisse. Obwohl bereits im 17. Jahrhundert beschrieben, ist die genaue Heimat des empfindlichen Baumes nicht bekannt.

Wahrscheinlich stammt er aus Indien, wo die Bergamotte heute noch in kleinen Mengen angebaut wird. Anderen Vermutungen zufolge, hat Kolumbus die Frucht von den Kanaren nach Italien eingeführt.

Eines steht jedoch fest: Aufgrund ihrer ausgezeichneten Qualität wird die italienische Bergamotte besonders geschätzt. Auf einem circa 100 Kilometer langen Küstenstreifen wird sie in der Region Kalabrien angebaut. Nur die dort herrschenden perfekten klimatischen Bedingungen und die exzellente Bodenbeschaffenheit lassen die Früchte gedeihen. Die kleinen Anbaugebiete treiben übrigens den Preis des sogenannten “grünen Goldes” zusätzlich in die Höhe.

#3 Bergamotte - ein immergrüner Baum

Limette, Zitrone, Orange und Bergamotte  – sie alle wachsen an einem immergrünen Baum, der im Frühjahr blüht. Der bis zu fünf Meter hohe Bergamotte-Baum trägt zu dieser Zeit ein Meer reinweißer Blüten.

Erst spät im Jahr reift das Obst. Die Ernte der 100 bis 200 Gramm schweren, zitronengelben Frucht erfolgt von November bis März. Um einen Liter Bergamotteöl herzustellen, werden 200 Kilogramm Früchte benötigt.

‘Castagnaro’, ‘Femminello’ und ‘Fantastico’ – diese wohlklingenden Namen bezeichnen die drei gängigen Bergamotte-Sorten. 

Die Älteste, Castagnaro, wurde im 18. Jahrhundert eingeführt. Sie wechselt zwischen ertragreichen und ertraglosen Jahren. Fantastico produziert besonders viel ätherisches Bergamotteöl und das Öl der Femminello-Sorte gilt als das qualitativ Hochwertigste.

#4 Wo Bergamotte zum Einsatz kommt

Der Anbau der Bergamotte erfolgt vor allem zur Gewinnung des ätherischen Öls. In der Aromatherapie und für die Parfümindustrie spielt das wertvolle, frisch und herb duftende Öl eine große Rolle. 

Die Essenz des Bergamotteöls setzt sich aus über dreihundertfünfzig verschiedenen Aromen zusammen. Enthalten ist beispielsweise Linalool, welches in Lavendel und Koriander vorkommt. Jasmon ist für den zitronig-sinnlichen Duft verantwortlich. Im Vergleich zur Bergamotte sind andere Duftstoffe weit weniger komplex. 

Als Lebensmittel wird die Bergamotte jedoch selten verwendet. Roh ist sie nicht essbar. Das grünliche Fruchtfleisch schmeckt äußerst sauer und leicht bitter und lässt sich nur schwer von der Schale lösen. In geringen Mengen kann man Bergamotte aber durchaus genießbar machen.

So aromatisieren Engländer ihren weltberühmten EarlGrey-Tee mit Bergamotte und auf Sizilien werden die Früchte kandiert und als Beilage zu den Mahlzeiten gereicht. In Frankreich und der Türkei gelten Bonbons und Marmelade aus Bergamotte aufgrund ihres unverwechselbaren Geschmacks als Spezialität.

Einige Kosmetikprodukte, wie Duschgels, Seifen und Deodorants, beinhalten synthetisches Bergamotteöl. Enthält ein Erzeugnis echtes Bergamotteöl, trägt es die Aufschrift Citrus Aurantium Bergamia (Bergamot) Peel Oil.

#5 Warum Bergamotteöl grün sein sollte

Natürliche Zitrusöle tragen die sonnigen Farben ihrer Schalen und sind gelb bis orange. 

Sie stammen aus Kaltpressung. Bei der Bergamotte werden für das Produktionsverfahren die grünen Schalen unreifer Früchte verwendet. Das gewonnenen Öl weist daher eine grünliche Färbung auf.

Die Farbe ist der größte Unterschied zu anderen ätherischen Ölen. So sind beispielsweise die aus Blüten durch Wasserdampfdestillation gewonnenen Öle farblos.

#6 Wirkweise & Anwendung

Die enthaltenen Cumarine (vor allem Furocumarine) beeinflussen die Ephiphyse (Zirbeldrüse). Sie bringt unseren Biorhythmus in Einklang mit den rhythmisch jahreszeitlich bedingten Vorgängen in der Natur. 

Bereits geringe Konzentrationen beeinflussen den Serotoninhaushalt positiv und mildern Stimmungstiefs und Ängste.

Bergamotte vermittelt Geborgenheit und Vertrautheit und wirkt stimmungsaufhellend, ausgleichend und belebend. 

Wissenschaftliche Studien von Professor Paolo Rovesti an der Universität Mailand bestätigen die nervenentspannende Wirkung des Bergamotteöls. 

Die Auswirkungen psychischen und physischen Stresses werden vermindert.

Das Bergamotteöl ist aufgrund der Inhaltsstoffe Linalylacetat und Linalool dem Lavendel sehr ähnlich. 

Es ist ebenso mild und hautfreundlich, aber aufgrund der enthaltenen Furocumarine nicht so vielfältig einsetzbar.

Denn die enthaltenen Furocumarine erhöhen die Lichtempfindlichkeit der Haut (Photosensibilisierung) und können zu Pigmentflecken bis hin zu allergisch-entzündlichen Hautreaktionen führen.

Bei einer Dosierung von 4-6 Tropfen Bergamotte in 100 ml Trägeröl (Mandel- oder Jojobaöl), entsteht jedoch ein hervorragendes Haut – und Massageöl, welches bedenkenlos angewendet werden kann. 

Mittlerweile gibt es sogar furocumarinfreies Öl: die sicherste Variante für die Haut.

Ob das Öl in diesem Fall seine stimmungsaufhellende Wirkung behält, wird in der Forschung aktuell diskutiert.

QUELLEN: 

Werner, Monika und Ruth von Braunschweig, Praxis Aromatherapie. Grundlagen, Steckbriefe, Indikationen. 2016

Bäumler, Siegfried, Heilpflanzenpraxis Heute. Arzneipflanzenporträts. 2021